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Was war der Auslöser zum Film? Der Auslöser war sicher, dass mein Vater krank wurde. 2006 bekam er die Diagnose: Krebs, unheilbar. Die Ärzte gaben ihm noch ein halbes Jahr zu leben. Zum Glück machte er fünf daraus. Ich hatte mir damals gerade ein Leben in Köln aufgebaut, wollte mich dort an einer Filmhochschule bewerben. Als der Anruf mit dem Bescheid kam, brach ich die Zelte ab und ging zurück in die Schweiz. Natürlich war es zu Beginn der blanke Horror, meinen Vater, diesen bis dato immer gesunden Mann, krank zu erleben. Doch mit der Zeit merkte ich, dass es auch Positives mit sich brachte, sogar sehr viel. Es schweisste uns als Familie zusammen und ich merkte, dass mein Vater mehr im Hier und Jetzt lebte, bewusster, intensiver. Was fühlten Sie? Wut, Angst, Trauer?
 Mich machte die Situation demütig, weil ich nicht wirklich etwas ändern konnte - es lag nicht in meiner „Macht“. Sie machte mich aber auch unendlich dankbar für jeden schönen Moment, den wir noch zusammen erleben konnten. Mein Leben wurde um ein Vielfaches leichter. Ich nahm mich und meine Probleme weniger wichtig - in Anbetracht des Todes relativiert sich so manches. Diese Erfahrung wollte ich weitergeben, nämlich dass ein intensives Leben nicht etwa dadurch erreicht wird, dass wir versuchen ewig jung zu bleiben und die Endlichkeit zu verdrängen. Genau das Gegenteil ist der Fall: Intensiv und wunderbar und prall wird es dann, wenn wir den Tod wieder ins Leben zurückholen, ihn akzeptieren als Teil des Lebens, was er schlicht und einfach ist, wie die Geburt. Sie studieren Spielfilmregie, gewinnen aber mit einem Dok-Film den Publikumspreis des ZFF. Wie funktioniert das? Das funktioniert, indem man mit dem Dokumentarfilm schon kurz vor Studienbeginn anfängt und ihn weiterverfolgt während des Studiums (lacht). Wir hatten überhaupt nicht damit gerechnet, dass wir den Publikumspreis gewinnen würden. Immerhin geht es in «Zu Ende leben» um den Tod. Dass das Publikum den Film mag, bestätigt uns darin, dass wir es geschafft haben einen Film zu machen, der Mut macht und anregt und die Menschen nicht belehrt oder verängstigt. Wo sehen Sie Ihre Zukunft, im Dokumentar- oder Spielfilm? Für mich muss ein guter Film einen interessanten Charakter haben und mich auf eine Reise mitnehmen. Ob das in einem Dokumentar- oder Spielfilm passiert, ist mir nicht so wichtig. Ich mag das dokumentarische Drehen - man muss aufmerksam sein, im Moment, vollkommen bei den Protagonisten, sonst entgehen einem die wichtigen Augenblicke. Das finde ich wunderbar. Aber eigentlich ist das beim Spielfilm nicht anders. Ich denke beide „Welten“ können sich gut ergänzen - die Dramaturgie eines Spielfilms kann einem Dokumentarfilm helfen und eine vielleicht eher dokumentarische Herangehensweise beim Drehen kann einen Spielfilm bereichern. INTERVIEWMit Rebecca Panian sprach Felix Schenker

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